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Nordamerikanische Pellets für Europas Klimaschutz? (Teil 3)

17.03.2021, Lesedauer ca. 15 - 20 Minuten

USA

Wie in Kanada gibt es auch gegenüber der US-amerikanischen Holzindustrie den Vorwurf, Holz werde nicht nachhaltig geerntet und die Wälder geplündert, um daraus Pellets für den europäischen und andere Abnehmermärkte zu produzieren. Wie im vorangegangenen Teil über Kanada wird auch hier die Entwicklung der Waldfläche betrachtet, ein weiterer Teil nimmt auch die Holzvorräte in den Blick.

Die Vorstellung von Naturschutzverbänden, Wälder in einem bestimmten Zustand zu schützen – sie wie unter einer Käseglocke zu konservieren –, ist mit der Natur nicht zu vereinbaren. Das wäre statischer Naturschutz, das Gegenkonzept ist der dynamische Naturschutz. „Katastrophen“ wie Windwürfe, Insektenfraß oder Feuer sind Bestandteil natürlicher Abläufe. Sie kollidieren aber mit dem menschlichen Bestreben, die eigene Umgebung bis zu einem gewissen Grad zu kontrollieren und in einem „Gleichgewicht“ zu halten, das die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse ermöglicht – eine ebenso fragwürdige Sicht natürlicher Abläufe, wie sie im statischen Naturschutz angewendet wird.

Biologische Automation

Daraus hat die Forstwirtschaft die Kunst entwickelt (wenn die auch längst noch nicht überall zum Einsatz kommt), die eigenen Eingriffe einerseits so naturnah wie möglich zu gestalten, ohne natürliche Prozesse übermäßig zu behindern, sondern sie möglichst sogar zu nützen: Im Idealfall führen sie mit geringerem oder ganz ohne kostspieligen Einsatz von Arbeitskraft und Betriebsmitteln zum gewünschten Ziel. Beispiele sind etwa die Naturverjüngung oder die Vorwaldbildung aus anfliegenden Pionierarten, die später mit gewünschten, standortgerechten Baumarten ergänzt werden. Die Nutzung solcher Waldbautechniken liefen früher auch manchmal unter der Bezeichnung „biologische Automation“.

Andererseits aber will man ebenso natürliche, flächige Großschadens-Ereignisse vermeiden – etwa, indem sie simuliert werden wie beim kontrollierten Anlegen von Waldbränden, um Brennmaterial für spontan entstehende und dann vielleicht nicht mehr kontrollierbare Feuer zu beseitigen. Diese Techniken sind in den nordamerikanischen Wäldern der Westküste wichtig, in denen Feuer häufiger auftreten und die Baumarten daran angepasst, teils sogar darauf angewiesen sind. Wie schon in „Der Atem des Waldes“ erwähnt und mit Quellen belegt, verursachten mehrere Faktoren die großen Brände der letzten Jahre in den USA: Zu lange nicht mehr durchforstete Wälder, in denen viel Totholz vorhanden ist, werden staubtrocken in den vom Klimawandel verursachten Dürreperioden. Entzündet unter diesen Voraussetzungen ein Blitzschlag, eine Glasscherbe oder weggeworfene Zigarettenkippe ein Feuer, können unkontrollierbare, infernalische Brände auf riesigen Flächen entstehen.

Pelletproduktion im Südosten der USA

Die für den US-amerikanischen Pelletexport nach Europa relevanten Standorte liegen allerdings weit überwiegend im Osten und Südosten der USA; auch die Kritik von Umweltverbänden, insbesondere an der Biomasse-Verfeuerung in Großbritannien, konzentriert sich darauf. Drax und Pinnacle, vor allem aber immer wieder Enviva wird vorgeworfen, die Wälder auszuplündern und zu verheizen. Werfen wir dazu zunächst einen Blick auf die Daten der regelmäßig wiederholten „Forest resources assessments“ (FRA 2015, 2020) der FAO.

Jahr 2000 2005 2010 2015 2020
Primärwaldfläche (1.000 ha) 72.305 75.709 75.294 75.300 n.a.
Natürlich regenerierende Wälder (1.000 ha) 208.671 204.623 207.862 208.431 282.274
Gepflanzte Wälder (1.000 ha) 22.560 24.425 25.564 26.364 27.521

Tabelle 1: FAO-Daten aus den FRA-Berichten von 2015 und 2020 zur Waldfläche der USA.

Die Waldflächen der USA wachsen demnach also leicht, vor allem kommen alle fünf Jahre Aufforstungen von über 1 Mio. ha hinzu. Die im vorangegangenen Teil gemachten Anmerkungen zu den Unregelmäßigkeiten der Statistik infolge z.B. Definitionsänderungen gelten auch hier. Die Daten zur Entwicklung des „growing stock“, zum Holzvorrat, sowie der lebenden und toten Biomasse in den nordamerikanischen Wäldern folgen im nächsten Teil dieser Serie.

Eine 2020 von schwedischen und US-Forschern veröffentlichte Studie in „Nature Scientific Reports“ untersuchte die Veränderungen in den Wirtschaftswäldern im Osten und Südosten der USA durch das laut Studie exponentielle Wachstum der dortigen Pelletproduktion zwischen 2008 und 2017. Vor allem der EU-Markt wird aus dem Südosten beliefert, während der restliche Osten der USA eher für die auch im eigenen Land steigende Nachfrage produziert. Lag die Pelletproduktion im Südosten der USA 2009 bei 0,3 Mio. Tonnen (t), waren es 2017 7,3 Mio. t, ein weiteres massives Wachstum wird erwartet.

Urwaldflaechen in den USA 1620
Urwaldflaechen in den USA 1850
Urwaldflaechen in den USA 1926

Entwicklung der Urwaldflächen in den USA zwischen 1620 (oben), 1850 (Mitte) und 1926: Jeder Punkt entspricht 25.000 Acre oder ca. 10.117 ha (Grafik: William B. Greeley, US Forest Service, gemeinfrei, Quelle: Wikipedia). Wie in „Der Atem des Waldes“ dargestellt, wäre auf einer vergleichbaren Darstellung Deutschlands um das Jahr 0 herum nahezu die gesamte Landesfläche schwarz gefärbt. Bis zum Mittelalter wurde hier der Wald bereits zurückgedrängt auf landwirtschaftlich ungeeignete Restflächen. Im 20. Jahrhundert blieben in Deutschland vielleicht einzelne, winzige Inseln unberührten Waldes übrig, die gänzlich unzugänglich sind oder erst seit maximal vielleicht einem Jahrhundert nicht mehr genutzt wurden.

Ausgelöst wurde dieser Boom durch die EU-Direktiven für Erneuerbare Energien, die 2009 erstmals beschlossen wurden. Wie schon die oben gezeigten FRA-Daten nahelegen, scheint zumindest die Waldfläche trotz des Pelletbooms nicht zu leiden. Die EU-Pelletimporte stiegen von etwa 8 Mio. t (2008) auf über 18 Mio. t (2018). 10,3 Mio. t davon wurden aus Nicht-EU-Ländern eingeführt, hauptsächlich aus den USA, gefolgt von Kanada, Russland und anderen Ländern. Auch Russland weitet Produktion und Exporte in den letzten Jahren massiv aus. Wichtigste europäische Import-Länder sind Großbritannien, Belgien, Dänemark, die Niederlande und Italien.

Die Nature-Studie vermerkt, das vor der EU-Direktive Reste aus Sägemühlen zu 69 Prozent der für Pellets genutzte Rohstoff waren, 2017 waren es nur noch 18 Prozent. Jetzt kamen die Fasern dagegen zu 49 Prozent aus sonst kaum oder nicht marktfähigen Biomasse-Resten (Rinde, Schlagabraum, Hackschnitzel, Altholz und nicht marktfähige, schlechte Holzqualität), zu 20 Prozent aus Rund- und Faserholz für die Zelluloseproduktion und zu 13 Prozent aus Resten aus der Weiterverarbeitung von Holz.

Die Forscher untersuchten in Wirtschaftswäldern Faktoren wie die Zahl lebender und toter Bäume aus verwertbaren und nicht nicht verwertbaren Arten, den Masse-Vorrat in erntefähigen bewirtschafteten Baumarten sowie den Vorrat an Kohlenstoff (C) in lebenden und toten Bäumen sowie im Boden. Durch die intensivierte Bewirtschaftung im Südosten änderte sich der C-Vorrat in lebenden wie toten Bäumen nicht signifikant. Bei den bewirtschafteten Bäumen konzentrierte sich der C-Vorrat in weniger Individuen: Ein Effekt der Holzernte, bei Entnahme erntefähiger Bäume nutzen die verbleibenden den freiwerdenden Raum und verstärken ihr Wachstum. Der C-Pool in lebenden Bäumen war im Einzugsgebiet großer Pellet-Produktionsstätten höher. Diese C-Pools vergrößerten sich zusätzlich, wo sich die Einzugsgebiete unterschiedlicher Produktionsstandorte überlappten.

Ganzbaumnutzung?

Nahe Produktionsstandorten, die kontinuierlich und im großen Maßstab produzieren, verringerte sich allerdings der im Boden gespeicherte Kohlenstoff und die Zahl toter, stehender Bäume nahm ab. Dies dürfte ein Ergebnis der oben erwähnten, veränderten Rohstoffquellen sein: Wenn selbst Schlagabraum und früher nicht verwertbare, schlechte Holzqualitäten, der Zopf (der höchstens energetisch verwertbare Baumwipfel, der in Deutschland in der Regel im Wald belassen wird) und vielleicht sogar noch Wurzelstöcke entnommen werden, kommt das einer (in Deutschland in der Regel verpönten) Ganzbaumernte gleich und erhöht den Export von Biomasse vom Standort, die bei Verbleib im Wald nach Verrottung den C-Pool im Boden nachfüllt und Lebensraum für Insekten und weitere Arten liefert, die vom Abbau solcher Biomasse leben.

Die Studie nennt diese letzteren Effekte „potenziell negative Trends“, sie müssten weiterhin beobachtet werden. Ökologisch kann man das aber auch anders bewerten: Wenn die fortgesetzte hohe Entnahme von Biomasse den C-Speicher im Boden verkleinert, hat das dort betriebene Nutzungssystem die Grenzen der Nachhaltigkeit mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits überschritten. Negative Folgen werden bei Fortsetzung dieses Systems, erst recht bei seiner Ausweitung nicht lange auf sich warten lassen. Zudem weist die Studie hin auf weitere Einflussfaktoren wie Bevölkerungsentwicklung, steigende Nachfrage von anderen Abnehmern und extreme Wetterbedingungen.

Für die in Deutschland betriebene Forstwirtschaft hat eine 2021 veröffentlichte Übersichts-Arbeit unter anderem die Unterschiede zwischen bewirtschafteten und aus der Nutzung genommenen Wäldern betrachtet. Demnach wächst hierzulande auch unter bewirtschafteten Wäldern die im Boden gespeicherte C-Menge um im Schnitt etwa 0,4 t ha-1 a-1, signifikante Unterschiede zwischen bewirtschafteten und stillgelegten Wäldern gibt es dabei nicht. Unter den Bedingungen einer Ganzbaumnutzung, die regelmäßig auch Schlagabraum, Äste und Wurzelstöcke aus dem Wald nutzt, ist das kaum möglich, es sei denn bei nur gelegentlicher Ganzbaumnutzung auf sehr gut mit Nährstoffen versorgten Böden.

Da Stammholz überwiegend aus Kohlenstoff und Wasser besteht, bleibt dagegen seine Nutzung bei kundiger forstlicher Arbeit weitgehend ohne Folgen für den Nährstoffkreislauf, so lange Feinreisig, Streu und Wurzelstöcke belassen werden, wo sie hingehören: In den Wald. Natürlich ließen sich mit Einsatz solcher Biomasse weitere Emissionen durch Ersatz fossiler Brennstoffe einsparen – aber wie lange, wenn der Standort, auf dem der Wald auf danach noch wachsen soll, durch den Entzug solchen Materials geschädigt wird? Im Südosten der USA ist die Situation allerdings komplexer, als sie auf den ersten Blick erscheint.

Systemische Sicht

Ein weiterer Artikel erschien 2017 in „Global Change Biology Bioenergy“ (GCBB). Er ist als „Meinung“ der mehreren Dutzend Verfasser*innen gekennzeichnet, die überwiegend in den USA, aber auch in Schweden, Deutschland, Dänemark, Polen, Kanada, Großbritannien, Australien und Brasilien forschen. Diese Arbeit liefert einen tiefen Einblick auch in die historische und ökonomische Situation im Südosten der USA und zeigt auf, warum die Pelletproduktion dort nicht nur ökonomisch, sondern auch ökologisch eine Chance darstellt.

Die Wälder der Region fielen zunächst zu großen Teilen der zunehmenden Besiedelung und dem Bedarf an landwirtschaftlich nutzbarer Fläche seit dem 18. Jahrhundert zum Opfer. Erst als die Produktionsbedingungen der Landwirtschaft in Regionen außerhalb des Ostens der USA sich ökonomisch überlegen entwickelten, fiel das Land wieder brach und wurde vielfach aufgeforstet, um die einsetzende Erosion zu stoppen. Während sich laut dieser Studie weltweit nur 12 Prozent der Waldflächen in Privatbesitz befinden, sind es im Südosten der USA 87 Prozent, 60 Prozent der Wälder dort sind in Familienbesitz. Zwar seien diese privaten Wälder, anders als Wald in institutionellem Besitz, meist nicht zertifiziert. Doch hielten sich über 90 Prozent aller Erntemaßnahmen im Südosten USA an staatlich definierte, forstliche Richtlinien, bezeichnet als „best management practices“ (BMP). Auch die EU verlange von Pellet-Importeuren die Einhaltung international akzeptierter Nachhaltigkeits-Kriterien.

In den vergangenen 50 Jahren sind die Wälder im Südosten beständig gewachsen, würden das aber nur weiter tun, wenn es keine Anreize gebe, sie mangels Einnahmen aus der forstlichen Bewirtschaftung wieder für neue landwirtschaftliche Zwecke umzuwandeln. Das US-Landwirtschaftsministerium rechne jedoch zwischen 2010 und 2060 mit Verlusten an Waldfläche von bis zu 8,5 Mio. ha oder 10 Prozent, wenn der Erhalt der Wälder sich nicht wirtschaftlich darstellen lasse. Es brauche also wirtschaftliche Anreize, um die Waldflächen als solche zu erhalten, die Pelletproduktion erfüllt dabei eine entscheidende Funktion: Sie bringt Einnahmen auch für schwaches Holz und schlechte Qualitäten, die etwa bei Durchforstungen anfallen, in der Sägeindustrie aber nicht verwertbar sind. Selbst die Verwertung von Schlagabraum, der andernfalls meist auf der Fläche verbrannt wird, helfe dabei, da dies die Produktionsrisiken etwa durch Insektenbefall und Feuer verringere, denen die Grundlage entzogen wird. Allerdings sei dabei Maß zu halten, um die Boden- und Wasserqualität nicht zu gefährden.

Feuchtwald-Nutzung in der Kritik

Besonders kritisieren Naturschutzverbände die Nutzung der „bottomland forests“, das sind Feuchtwälder, die immer wieder einmal überschwemmt werden und daher besondere Biotope darstellen – vergleichbar den hiesigen Auen- oder Bruchwäldern, die vielfach Flussbegradigungen oder der Umwandlung in Weideflächen weichen mussten. Auch im Südosten der USA wurden in manchen Regionen bis zu 80 Prozent der „bottomland forests“ umgewandelt oder verschwanden. Seit 1990 wurden jedoch am Unterlauf des Mississippi 275.000 ha wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt. Die US-Forstverwaltung schützte und entwickelte zwischen 2009 und 2015 in einem Programm 526.000 ha dieser Feuchtwälder. Vielfach ist in den Erhaltungsprogrammen auch eine schonende Nutzung dieser Wälder unter Erhalt seltener Arten, Habitate und der Wasserqualität vorgesehen – eben um einen Anreiz zu geben, sie zu erhalten. Namentlich erwähnt der GCBB-Artikel die Pelletproduzenten Drax und Enviva, die Selbstverpflichtungen abgegeben haben, kein Holz aus bedrohten Ökosystemen zu verwenden.

Feuchtwald am Roanoke River, North Carolina, USA

Feuchtwald am Roanoke River (North Carolina, USA) (Foto: © ncwetlands.org, Lizenz: CC BY 2.0)

Eben die genannten Unternehmen werden seit vielen Jahren immer wieder angegriffen für ihre Rohstoff-Beschaffung. Es sind tatsächlich keine schönen Bilder, die Naturschutzverbände von flächigen Kahlschlägen im Südosten der USA zeigen, wenn auch die Ortsangaben meist vage und die Verursacher nicht belegt sind. Doch wurden laut der zitierten GCBB-Studie bis 2014 nur 2 Prozent des im Südosten der USA geernteten Holzes in der Pelletproduktion eingesetzt, 98 Prozent dienten der Sägeholz- und Zellstoff-Produktion.

Zum Schrecken der Naturschutzverbände: Das ändert sich bereits und dürfte sich laut fundierten Prognosen weiter ändern. Schon 2018 nahmen laut einem Bericht von Wood Resources International (WRI) die weltweiten Pelletexporte gegenüber dem Vorjahr um über 21 Prozent zu. 69 Prozent dieser Exporte gingen auf das Konto der fünf größten Exportländer – in dieser Reihenfolge die USA, Kanada, Vietnam, Lettland und Russland –, die den Markt seit Jahren dominieren. Auf den 100 Mio. ha Wald- und Plantagenflächen im Südosten der USA stieg laut Bioenergy International der Anteil der Pelletproduktion an der Holzernte von den eben genannten 2 Prozent (2014) auf 5 Prozent (2019), die zu 14 Mio. t Pellets verarbeitet wurden. Diese Produktion ließe sich nachhaltig steigern auf 35 Mio. t/a – und vielleicht langfristig sogar noch weiter, wenn die wachsende Nachfrage auch nach Sägeholz zu ebenfalls zunehmenden Aufforstungen führte, was mit einem Nachlauf von 20 bis 30 Jahren durch dann fällige Durchforstungen zu einem erhöhten Rohstoffangebot führen würde. Das weltweite, nachhaltige Potenzial zur Biomasse-Nutzung, auch energetisch, ist bei weitem nicht ausgeschöpft.

Der Beitrag beruft sich auf eine umfängliche, 2018 erschienene Studie zu den Bioenergie-Potenzialen diverser Länder, die Nachfrage der EU nach nachhaltiger Biomasse zur Erreichung ihrer Klimaziele zu bedienen. Beteiligt daran war auch der Physiker Uwe R. Fritsche, der bis 2010 den Bereich Energie und Klimaschutz im Öko-Institut Darmstadt leitete. Seit 2012 ist er Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter des von ihm mit begründeten Internationalen Institutes für Nachhaltigkeitsanalysen und -strategien in Darmstadt und Task-Force-Leiter für Fragen der Bioenergie und -ökonomie bei der Internationalen Energie-Agentur (IEA).

Auch eine Übersichtsgrafik aus dem „Forest Resources Assessment“ 2020 der FAO zeigt: Der Brennholz-Verbrauch steigt weltweit ähnlich stark wie die Nachfrage nach Rundholz. Deutlich sichtbar sind darin die Auswirkungen des Zusammenbruches der Sowjetunion (1990) und der US-Immobilien- und nachfolgenden, weltweiten Finanzkrise (in den frühen 2000er Jahren) auf den Markt für Nadelholz.

Weltweiter Nadel-, Laub- und Brennholz-Verbrauch laut FAO 2020

Weltweiter Nadel-, Laub- und Brennholz-Verbrauch laut FAO (Grafik: FRA 2020, S. 113, Lizenz: CC BY-NC-SA 3.0 IGO, farblich verändert)

Der Holzverbrauch wird auch weiter steigen, der Anstieg könnte sich sogar deutlich beschleunigen. So lange die Forstwirtschaft diese massiv wachsende Nachfrage durch nachhaltigen Einschlag bedienen kann, ist das kein Problem. Mit „schwarzen Schafen“ und schwer aus dem Ruder laufenden Einschlagsmaßnahmen ist dabei immer zu rechnen, derlei tritt auch in Europa und auch in Deutschland immer wieder einmal auf.

Doch die Hauptgefahr ist eine andere: Wenn mit der zunehmenden Nachfrage die Preise anziehen, wächst auch die Gefahr, dass skrupellose Geschäftemacher ohne Rücksicht auf Verluste, geschweige denn auf Nachhaltigkeit versuchen, in diesem Markt zu operieren. Darauf ein Auge zu haben, wäre Aufgabe staatlicher Kontrollinstanzen oder, wo diese wie so häufig versagen, für Naturschutzverbände. Dazu müssten sie sich allerdings um Glaubwürdigkeit auch bei Fachleuten bemühen. Versuchen sie dagegen weiter, mit immer wiederholten, wahrheitswidrigen und rein auf Emotionalität setzenden Angriffen die Spendenbereitschaft ihrer Sympathisanten zu manipulieren, behindern sie den Aufbau einer nachhaltigen Bioenergie-Wirtschaft, die einen großen Beitrag leisten kann, den Klimawandel zu bekämpfen.

Im nächsten Teil folgt ein Fazit aus den hier betrachteten Daten und ein Blick auf mögliche Zukunftsoptionen.

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